Künstliche Intelligenz ist eines der meistdiskutierten Themen der Immobilienwirtschaft. Fast täglich entstehen neue Anwendungen, doch eine Frage kommt dabei oft zu kurz: Was bringt KI der Branche heute ganz konkret? In der Oktober-Ausgabe des Handelsblatt Journal „Immobilienwirtschaft: Neue Fundamente“ beantwortet assetbird Co-Founder und CSO Nico Kramp genau diese Frage, auf Basis der täglichen Arbeit mit über 250 Immobilienunternehmen.
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Handelsblatt Journal Immobilienwirtschaft, Oktober 2026, Seiten 14 und 15
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- Zeit für Investmentarbeit statt Copy & Paste: Investment Professionals verlieren die meiste Zeit nicht bei Analyse oder Entscheidung, sondern beim Übertragen von Informationen zwischen E-Mail, Excel, CRM und PowerPoint.
- KI muss heute keine Immobilie kaufen: Echter Mehrwert entsteht schon jetzt, wenn Exposés, Mieterlisten und Comparables automatisch ausgelesen und strukturiert werden.
- Die eigene Dealhistorie als Wettbewerbsvorteil: KI-Modelle stehen allen zur Verfügung. Jahrzehnte an geprüften Angeboten, Kaufpreisen und Entscheidungen dagegen nicht.
- Ankauf und Bestand verbinden: Annahmen aus der Investmententscheidung sollten im Asset Management weiterleben, damit beide Bereiche voneinander lernen.
- Kultur schlägt IT-Budget: Entscheidend sind Menschen, die Prozesse hinterfragen, und ein Management, das ihnen Rückhalt gibt.
Weniger Informationsarbeit, bessere Entscheidungen
Ein Exposé kommt per E-Mail, Daten wandern in Excel, Mieterlisten werden separat aufbereitet und für das Investment Committee wieder in PowerPoint übertragen. Alles läuft digital, und trotzdem sitzen zwischen den Systemen oft noch Menschen, die Informationen von A nach B kopieren. Für Nico Kramp sollte Digitalisierung deshalb nicht an der Zahl der eingeführten Tools gemessen werden, sondern daran, wie viel Zeit Teams wieder für Analyse, Verhandlungen und Entscheidungen gewinnen.
Sein Beispiel: Ein Investmentteam erhält jeden Monat 100 Angebote. Ein großer Teil der Erfassung und Vorprüfung lässt sich heute automatisieren, während historische Angebote und Comparables erhalten bleiben. Der Analyst kann sich dadurch früher auf die Deals konzentrieren, bei denen seine Erfahrung wirklich gefragt ist.
Der größte Datenschatz liegt im eigenen Unternehmen
In zehn oder zwanzig Jahren prüft ein Immobilienunternehmen Tausende Exposés. Dieses Wissen steckt jedoch oft verstreut in Postfächern, Excel-Dateien, SharePoint oder den Köpfen einzelner Mitarbeiter. Viele Unternehmen haben daher weniger ein Datenproblem als ein Nutzbarkeitsproblem. Wird dieses Wissen strukturiert zugänglich, entsteht aus einem Archiv eine aktive Entscheidungsbasis, die auch erhalten bleibt, wenn erfahrene Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Das gleiche KI-Modell kann jeder kaufen, die eigene Dealhistorie nicht.
Vertrauen lässt sich nicht automatisieren
Bei aller Effizienz bleibt für Nico Kramp eines klar: KI nimmt den Menschen nicht aus der Investmententscheidung heraus. Sie schafft ein digitales Unternehmensgedächtnis, das mit jedem Deal wächst, und gibt Teams mehr Zeit für das, was im Immobiliengeschäft zählt: persönlichen Austausch, Verhandlungen und Beziehungen. Die Immobilienwirtschaft bleibt eine Branche, in der Menschen mit Menschen Geschäfte machen.











